Schreiben der Schulleitung vom 22.05.2020

Schreiben der Schulleitung vom 22.05.2020

Liebe Schulgemeinde,

offensichtlich habe ich in meinem letzten Schreiben einige Dinge nicht so deutlich angesprochen, wie es vielleicht hilfreich gewesen wäre.

Räumlichkeiten und Personal der Schule werden voll ausgenutzt. Wir beschulen vorrangig die Q1, damit diese das Halbjahr 11.2 so qualifiziert wie möglich beenden kann. Dies brauchen unsere Schülerinnen und Schüler, um nächstes Jahr erfolgreich in die Abiturprüfungen gehen zu können. Aus ähnlichen Gründen wird auch die EF (Jahrgang 10) stärker beschult. Wir halten uns damit an eine Vorgabe der Bezirksregierung, die für den Präsenzunterricht dringend den Schwerpunkt auf diesen Jahrgangsstufen empfohlen hat.

Da jeder Raum nur einmal am Tag von einer Gruppe belegt werden darf, steht jeweils nur eine begrenzte Anzahl an Räumen zur Verfügung. Unter vollständiger Ausnutzung der räumlichen Kapazitäten blieben für die Klassen 5 bis 9 leider nur zwei Präsenztage übrig. Trotz der parallel stattfindenden Unterrichts- und Prüfungsveranstaltungen ist es jedoch in den meisten Fällen gelungen, dass die Klassen von den Klassenleitungsteams betreut werden. Dies ist uns wichtig, da es an den Präsenztagen auch um soziale Aspekte geht.

Auch das Personal arbeitet unter Volllast. Gerade sind alle Abiturklausuren geschrieben und müssen schneller als je zuvor korrigiert werden. Gleichzeitig stehen die mündlichen Prüfungen im 4. Abiturfach an. In der Q1 werden noch Klausuren geschrieben, die Beratungsgespräche mit den Eltern müssen vorbereitet und durchgeführt werden. Verbesserungsprüfungen und mündliche Prüfungen im 1. bis 3. Abiturfach müssen geplant und abgehalten werden.

Der auch für uns neue und ungewohnte Fernunterricht führt zu deutlich höheren Zeitbelastungen. Und auch viele unserer Kolleginnen und Kollegen müssen die eigenen Kinder zu Hause betreuen.

Die rechtliche Seite wie Datenschutz, Urheberrecht usw. führt zum Beispiel bei der Nutzung von Zoom dazu, dass einige Lehrer und Eltern große Bedenken haben. Die Schule kann die Nutzung nicht vorschreiben.

Die Schulkonferenz ist u.a. mit der Neubesetzung der Schulleiterstelle beschäftigt und die Lehrerkonferenz arbeitet an Konzepten für digitale Unterstützung von Präsenz- und Fernunterricht im kommenden Schuljahr.

Das Ganze geschieht mit üblicher Bandbreite menschlicher Unzulänglichkeiten. Die Schüler wünschen sich Spitzenlehrer und Spitzeneltern, die Eltern wünschen sich Spitzenschüler und Spitzenlehrer, die Lehrer wünschen sich Spitzenschüler und Spitzeneltern. Die Realität reicht dann von ungenügend bis sehr gut.

Wie auch im regulären Schulbetrieb gibt es die übliche Bandbreite der beteiligten Persönlichkeiten. Dem einen gelingt es besser, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, dem anderen weniger gut. Und auch in diesen Zeiten gibt es die „pädagogische Freiheit“. Wir arbeiten an einer Vereinheitlichung der Vorgaben bzw. Handlungsempfehlungen, aber eine gewisse Bandbreite wird bestehen bleiben.

Willkommen im Leben. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass wir am Scholl uns weiter verbessern. Entwicklung braucht Zeit, Geduld und Toleranz. Das haben mich meine vierzig Berufsjahre gelehrt.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Hermann Schrader, OStD
Schulleiter