Zeitzeugen-Gespräche

Zeitzeugen-Gespräche

Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!

Weiße Rose: Flugblatt IV

Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.

Wilhelm von Humboldt (1767-1835), dt. Philosoph, Sprach- und Naturforscher

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf fühlt sich mit allen, die dort lernen und lehren, dem Schulnamen und der ihm innewohnenden Botschaft deutlich und ausdrucksvoll verpflichtet.

Berichte zu unseren Zeitzeugengesprächen und -projekten finden sich HIER im Blog-Bereich „GSG Aktuell“ >>>

Zeitzeugengespräche und Projekte zur NS-Zeit

„Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muss nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, dass niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergesst auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf dass keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!“
aus: Weiße Rose: Flugblatt IV

Seit den 1970er Jahren gehören Zeitzeugengespräche, in denen es darum geht, die Gräuel, den Terror aber auch das trügerisch-„harmonische“ Alltagsleben des NS-Regimes zu verstehen, zu den festen Bestandteilen des GSG-Schullebens. Insbesondere zu Fragen des „Deutschen Faschismus“, „Unterdrückung und Widerstand“, „Vergangenheitsbewältigung“, Entnazifizierung“ u. Ä. wurden immer wieder Gespräche zwischen Betroffenen oder Opfern und Schülerinnen und Schülern gesucht.
Die Begegnung mit Zeitzeugen bedeutet für die Schülerinnen und Schülern unserer Schule stets ein besonderes Erlebnis. Dies geht weit über jeden Informationswert und den Gewinn an Anschaulichkeit hinaus; denn in der Regel führen die Gespräche mit Zeitzeugen zu tiefen Emotionen, manchmal gar zu Erschütterungen bei den Gästen und den Schülerinnen und Schülern.

Ausdrücklich bedanken möchten wir uns für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte in Düsseldorf.

 

Zeitzeugengespräche und Projekte zum Thema DDR

„Ich wünsche mir, dass viele […] sich die Frage stellen: Wie konnte diese Diktatur über 40 Jahre existieren? Die Jungen können ihre Eltern, Großeltern und Lehrer fragen: Wie war das damals? Und die Älteren, die es selbst erlebt haben, bitte ich, sich zu erinnern und ihr eigenes Verhalten, ohne Angst vor Ansehensverlust oder Karriere-Knick, zu hinterfragen. Die Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Menschen in den Zwängen und Spielräumen der Diktatur ist bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bisher viel zu kurz gekommen. […]
Erst recht wollen wir lernen, wie eine Diktatur überwunden werden kann, wie es die Menschen in der DDR 1989 doch noch geschafft haben, sich selbst zu befreien von ihrer Angst und damit von der Diktatur.“
Roland Jahn: Rede zum Gedenken an die politisch Verfolgten. Gehalten am 17. Juni 2010 in Jena. (Auszug)

Es ist fatal im Rausch einer verklärenden „Ostalgie“ die Schattenseite der DDR nicht wahrnehmen zu wollen. Für die Schönredner ist die DDR ein Staat gewesen, in dem Chancengleichheit herrschte; es allen im Prinzip recht gut ging. Die Stasi und Ministerium für Staatssicherheit (MfS) werden als systembedingte Fehler relativierend wahrgenommen.
Übersehen wird, dass Anspruch auf Recht und Gerechtigkeit für denjenigen, der es wagte das System zu kritisieren oder in Frage zu stellen, nicht galt.
Missliebige Bürger wurden bespitzelt, inhaftiert, gefoltert oder ausgebürgert.
Hatte die DDR nicht Züge eines totalitären Willkürstaates? Muss man sie deshalb nicht als einen Unrechtsstaat bezeichnen?
Die Fachschaft Geschichte des Geschwister-Scholl-Gymnasiums will über die Obligatorik der Rahmenrichtlinien hinaus die Schülerinnen und Schüler in Projekten und Zeitzeugengesprächen für diese komplexe Thematik nachhaltig sensibilisieren.

für die Fachschaft Geschichte: Gertrud Deschner-Schmitt