Schule und Pubertät

Was verändert sich in der Pubertät?

Die Zeit der Pubertät führt zu umfassenden körperlichen Veränderungen, die auch geistige, psychische und soziale Veränderungen mit sich bringen. Zudem müssen alle diese Entwicklungen in das Bild vom eigenen Selbst integriert werden – eine aufregende Zeit für die Jugendlichen, die Eltern und Lehrer/-innen.

Besonders die Entwicklungsprozesse des Gehirns bringen – gemeinsam mit einem veränderten, teils noch schwankenden Hormonstatus – psychische und soziale Anpassungen mit sich, die Auswirkungen auf die Beziehung der/des Jugendlichen zu der Familie haben, sich aber auch im Schulalltag niederschlagen können.

So sind neuronale Veränderungen während der Pubertät besonders ausgeprägt in zwei Hirnbereichen zu beobachten: im präfrontalen Kortex, welcher für logische Entscheidungen, langfristige Planung, situationsangemessenes Verhalten und Emotionskontrolle zuständig ist sowie im limbischen System, welches die emotionale Bewertung von Informationen steuert.

Findet sich in diesen Gehirnregionen eine Unausgewogenheit im Zusammenspiel, erscheinen manche der ‚typischen‘ Verhaltensweisen während der Pubertät erklärlich: launisches Verhalten, geringere Reaktion auf rein logisch orientierte Ansprache (‚Denk doch mal an die Zukunft‘), nachlassende Strukturierung des eigenen Arbeitsprozesses.

Diese Situation stellt nicht nur Eltern vor neue Herausforderungen, sondern auch uns als Schule.

(Quellen: Rainer K. Silbereisen & Karina Weichold: Pubertät und psychosoziale Anpassung. In: M. Hasselborn & R. K. Silbereisen (Hrsg.): Enzyklopädie Psychologie, Serie V (Entwicklung), II Grundlegende Veränderungen während des Jugendalters. / Harald Willenbrock: Vorsicht: Umbauarbeiten. In: GeoWissen Nr. 41 (2008): Pubertät. Auf der Suche nach dem neuen Ich.)

Welche Konsequenzen ziehen wir daraus?

Sich der Lebenssituation unserer Mittelstufenschülerinnen und -schüler bewusst zu sein hilft uns, Verständnis für die Kinder zu entwickeln, aber auch die richtigen erzieherischen und pädagogischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Für uns heißt dies, dass das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Lehrerinnen, Lehrern und Schülerinnen, Schülern vertieft wird, indem wir den Jugendlichen mehr Verantwortung übertragen.

Auf der anderen Seite muss Schule Grenzen ziehen und klare Regeln aufstellen, die auf einsichtigen pädagogischen Prinzipien beruhen. Dies gibt den Jugendlichen Orientierung und Sicherheit. Hierzu gehört auch, dass wir unsere Rolle als Lehrpersonen klar definieren und einhalten.

Welchen Beitrag erwarten wir von den Eltern?

Auch wenn die Jugendlichen die Abgrenzung von den Erwachsenen suchen und sich mehr an Gleichaltrigen, der Peer-Group, orientieren, ist die Rolle der Eltern als Konstante, als Ratgeber und als liebevolle, aber dennoch konsequente Begleiter unerlässlich.

Wir erwarten, dass sie sich regelmäßig über die Entwicklung ihrer Kinder unterrichten und die Elternsprechtage und Klassenpflegschaftssitzungen besuchen sowie unsere pädagogische Arbeit, gerade in dieser „problematischen“ Altersstufe, unterstützen.Auch in einer 7., 8. oder 9. Klasse sollten die Eltern mit ihren Kindern besprechen, was in der Schule durchgenommen wird, ob Lernschwierigkeiten bestehen, wie die Hausaufgaben gemacht werden. Ebenfalls ist die Kontrolle der Hausaufgaben und der Hefte hin und wieder nötig. Eindeutig muss der Fernseh-, Internet- und Handykonsum geregelt und zudem sichergestellt werden, dass die Jugendlichen ausreichend Schlaf bekommen.

Dies alles sind Voraussetzungen dafür, dass unser pädagogisches Konzept für die Mittelstufe wirksam sein kann.