Im Geist der Weißen Rose – Scholler für Respekt und Toleranz

Im Geist der Weißen Rose – Scholler für Respekt und Toleranz

Ein Bericht über die Veranstaltung am 6.3. aus dem Blickwinkel einer Lehrerin

Als am 1. März 2016 in verschiedensten Medien zu lesen war, dass am darauf folgenden Sonntag der Kreisparteitag der AfD am GSG stattfinden werde, war schnell klar, dass wir als Schule reagieren müssen und wollen, jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung haben.

Da die Stadt Düsseldorf regelmäßig unsere Aula an Parteien vermietet und die AfD dieselben Rechte wie alle anderen im Stadtrat vertretenen Parteien hat und wir als Schule überparteilich sind, hatten wir keine Möglichkeit, diesen Kreisparteitag in unseren Räumlichkeiten zu verhindern.

Die einzige Möglichkeit zu reagieren war, unseren eigenen Standpunkt, d. h. die Werte, die unsere Schulgemeinde vertritt,  zu verdeutlichen.

Erst eine Woche vorher hatten viele Kollegen, Schüler und Eltern unseren ‚Scholl-Appell 2016‘ unterschrieben und damit gezeigt, dass alle hinter den Werten unserer Namensgeber stehen.

Was eine Woche vorher noch ein wenig theoretisch schien,  wurde in den kommenden Tagen immer wieder am konkreten Beispiel praktisch verdeutlicht:

Was bedeutet es für uns als Scholler während einer Demonstration sich an den Scholl-Appell zu halten?  Nämlich, dass wir niemanden verunglimpfen oder beschimpfen. Dürfen wir Barrieren aufstellen und versuchen, die AfD am Betreten des Gebäudes zu verhindern? Nein. Wir begegnen allen Mitmenschen mit Toleranz, aber trauen uns, unsere eigene Meinung zu sagen. Wir demonstrierten also für unsere Werte, für Respekt allen Menschen gegenüber, für Gleichberechtigung, für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge…

Im Unterricht wurde viel über Hans und Sophie Scholl gesprochen und auch das große  außerunterrichtliche Engagement bewies wieder einmal, wie wichtig unsere Namensgeber für uns als Schule sind.

Wir diskutierten viel. Jung und Alt zog ganz fest an einem Strang, und was am Anfang nach einer großen Herausforderung aussah, wurde am Ende als große Chance gesehen:  Nämlich das, was uns wichtig ist, nicht nur in der Schulgemeinde zu verdeutlichen und zu leben, sondern in ganz Düsseldorf öffentlich zu machen.

Unterstützt wurden wir dabei z. B. durch die Mitglieder des Düsseldorfer Appells, das sind u. a. die etablierten Parteien und  die beiden großen Kirchen. Sie haben sich unserem Scholl-Appell angeschlossen und ihn unterschrieben.

Daniela Tibbe, Schulpfarrerin,  März 2016

 

*** Text der Stellungnahme der Schulgemeinde im Vorfeld der Veranstaltung am 6.3. ***

Stellungnahme der Schulgemeinde zur Partei-Veranstaltung am 6.3. in den Räumen des „Scholl“

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen, liebe Schüler,
liebe Ehemalige, liebe Freunde des Geschwister-Scholl-Gymnasiums,

am Sonntag findet eine parteipolitische Sitzung in den Räumlichkeiten unserer Schule statt. Dies hat für sehr viel Verunsicherung und auch Unmut gesorgt. Auf unterschiedlichen medialen Kanälen werden Anfragen an uns gerichtet, auf die wir hiermit antworten wollen.

Zunächst einmal möchten wir klarstellen, dass die Vermietung städtischer Räumlichkeiten nicht durch die Schule, sondern durch die Stadt Düsseldorf organisiert wird. Die Partei ist also weder durch die Schule eingeladen worden, noch sind wir Gastgeber bei dieser Veranstaltung. Im Übrigen haben in der Vergangenheit nahezu alle im Stadtrat vertretenen Parteien Veranstaltungen in Räumen der Schule durchgeführt.

Zwar verbietet der Grundsatz der Überparteilichkeit, der an allen öffentlichen Schulen gilt, Aktionen, die gegen einzelne Parteien gerichtet sind. Gleichwohl ist es einer Vielzahl von Schülern, Lehrern, Eltern und Ehemaligen ein Bedürfnis, nachdrücklich auf die Werte hinzuweisen, die an unserer Schule seit langem und auch heute noch Bedeutung haben und im Scholl-Appell zusammengefasst sind. Anlässlich des 72. Todestages der Geschwister Scholl vor einer Woche hat die Schule eine Aktualisierung des Scholl-Appells präsentiert, den die Schulgemeinde – Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Elternschaft – als Aufgabe und Verpflichtung begreift, das geistige Erbe unserer Namensgeber wachzuhalten und über die Bedeutung für das Zusammenleben in unserer Schule und auch außerhalb nachzudenken.

Wir freuen uns über die große Resonanz und die vielen Ideen, die aus den Reihen der Schüler, Lehrer und Eltern aufkommen, um ein klares und zugleich friedliches Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz zu setzen.

Schulleitung, Schulpflegschaft, Schülervertretung und Kollegium
des Geschwister-Scholl-Gymnasiums

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Der Scholl-Appell 2016

Der Scholl‐Appell ist gerichtet an alle Menschen innerhalb und außerhalb unserer Schule und soll Grundlage für unser Zusammenleben sein. In erster Version wurde er 1993 von einer Schülergruppe verfasst und bis heute zweimal aktualisiert.
Der Scholl‐Appell beinhaltet Verpflichtungen, die wir in Erinnerung an die Namensgeber unserer Schule als Botschaft und Aufgabe verstehen. „Wir schweigen nicht!“ war der Leitsatz von Hans und Sophie Scholl, deren Denken und Handeln unser (Schul‐)Leben prägt. Darauf wollen wir uns gerade jetzt wieder besinnen. Deshalb haben wir, Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9, die Verpflichtungen des Scholl‐Appells aktualisiert. Wir alle tragen Verantwortung für ein friedliches, tolerantes Zusammenleben und für eine bessere Zukunft. Deshalb wollen wir uns an folgende Grundsätze halten:

Wir begegnen allen Mitmenschen mit Toleranz und Respekt.
Wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Aussehens, eines Handicaps, seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung oder seiner schulischen Leistungen.
Wir zeigen Zivilcourage und sehen nicht weg, wenn jemandem Unrecht angetan wird.
Wir trauen uns, unsere eigene Meinung zu vertreten, und sind offen gegenüber anderen Standpunkten.
Wir verstecken uns nicht hinter einer virtuellen Fassade und diskriminieren niemanden im Internet.
Wir lösen Konflikte gewaltfrei und suchen gemeinsam nach Kompromissen.
Wir achten auf unsere Umwelt und handeln nachhaltig.
Wir wünschen uns, dass dieser Schollappell nicht nur in unserer Schule geachtet, sondern auch in andere Gemeinschaften weitergetragen wird.

Scholltag 2016

Erstunterzeichner des Scholl‐Appells 2016:
Benjamin Ahonyo, Björn Broich, Annika Faust, Lina Fink, Maja Gunz, Jonas Henrichs, Olga Herdes, Nikola Husic, Simon Kantelberg, Lennart Löffelsend, Dominik Meyer, Salvador Neumann, Dominik Radl, Pascal Reiners, Marco Sinagoga, Nikoleta Skerletopoulou, Sven Theis, Josephine Urbach, Corina Zahl (Jgst 9), Hildegard Sander (Lehrerin)

>>> Download des Scholl-Appells 2016 als PDF >>>

appell2016-470

Scholl-Appell 2016 (klicken zum Herunterladen des PDFs)