Zur Entstehung des Scholl-Appells

Zur Entstehung des Scholl-Appells

Im Juli 1993 haben sich im Geschwister-Scholl-Gymnasium Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer zu einem Fest der Gemeinsamkeit der Kulturen versammelt und den SCHOLL-APPELL 1993 veröffentlicht.

Hintergrund war der Brandanschlag auf ein Haus in Solingen, bei dem fünf türkische Kinder und Frauen ermordet wurden. Nach Angaben der Verfasserinnen des ersten Scholl-Appells reiht sich dieses Ereignis ein in „eine lange Kette von Übergriffen und Anschlägen, die aus Dummheit, Neid, Fremdenangst und blindem Hass gegenüber anderen und oft ärmeren Menschen unter nationalistischen Parolen in allen Ländern der Bundesrepublik verübt worden sind. Ein Ende dieser fürchterlichen Ereignisse ist nicht abzusehen. Das Erschreckende lähmt uns, und schweigende Betroffenheit bleibt vielfach die einzige Reaktion. Wir haben in unseren Köpfen die Prinzipien und Ideale von Humanität, Toleranz, solidarischem mitmenschlichem Handeln, aber wissen nicht oder sind zu schwach und zu ungeübt, sie auch im Alltag zum Ausdruck zu bringen.“ (Einleitung SCHOLL-APPELL 1993)  Diese Sätze – vor 23 Jahren verfasst – sind aktueller denn je. Zeitbedingte  Umstände haben sich verändert. Mobbing, Diskriminierungen, Handeln in der Anonymität der digitalen Welt und die ökologischen Belastungen sind Ausdrucksformen für Probleme dieser Zeit. Aber auch und gerade jetzt wieder, in Zeiten von Pegida und brennenden Flüchtlingsheimen, ist es notwendig, sich auf das Anliegen der acht Schülerinnen des ersten Scholl-Appells zu besinnen. Sie haben 1993 für ihr aktives Eintreten gegen Ausländerfeindlichkeit und für Menschlichkeit den ersten Geschwister-Scholl-Preis erhalten. In der Schule wurde eine Marmortafel angebracht mit den Daten 1918 – 1943 – 1993 (Geburtsjahr von Hans Scholl – Hinrichtungsjahr der Mitglieder der Weißen Rose, der Gruppe, der Hans und Sophie angehörten – erster Scholl-Appell) und mit dem Aufruf „Wir schweigen nicht“.

Jedes Jahr am Scholl-Tag nehmen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Düsseldorf diesen Aufruf als Aufgabe und Verpflichtung, über das Anliegen der Geschwister Scholl zu informieren und über die Bedeutung für das Zusammenleben in unserer Schule und auch außerhalb nachzudenken. Schülerinnen und Schüler der jetzigen Jahrgangsstufe 9 haben den Scholl-Appell, der bereits zur Jahrtausendwende und im Jahr 2009 aktualisiert worden war, überarbeitet und Leitlinien für ein Handeln im Geiste der Geschwister Scholl neu formuliert, die sie mit dem Scholl-Appell 2016 der Schulöffentlichkeit präsentierten.

Hildegard Sander, anlässlich des Scholl-Tages 2016

appell1993