Die Geschichte des "Scholl"

Die Geschichte des „Scholl“

Jahr…
Das geschah…
1871 1871 stellt die Stadt Düsseldorf einen Antrag an den preußischen Staat, eine zusätzliche „Bürgerschule“ zu errichten, die Schülern den Erwerb der sogenannten Mittleren Reife ermöglichen soll. Als Fremdsprache soll Französisch unterrichtet werden; der deutsch-französische Krieg war im selben Jahr erst beendet worden.
1872 1872 nimmt diese neue „Höhere Bürgerschule“ in der Düsseldorfer Innenstadt ihren Unterricht auf. Das preußische Kultusministerium hatte zusätzlich den Unterricht in Englisch zur Pflicht gemacht. Die beiden ersten Klassen ziehen 1872 in die ehemalige Schule der Franziskaner neben der Maxkirche, wo bereits Heinrich Heine als Junge die Schulbank drückte. Danach fand der erste Umzug – und zwar in die Klosterstrasse – statt; die Bürgerschule war dort ein Zweig der Realschule Klosterstraße (heute: Humboldt-Gymnasium). An diesen Standort der Schule zwischen Klosterstraße und Berliner Allee erinnern jetzt lediglich ein paar alte Platanenbäume, die dort früher auf dem Schulhof standen. Durch den zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex restlos zerstört.
1878 1878 findet die erste Abschlussprüfung statt; das Thema des Prüfungsaufsatzes im Fache Deutsch lautet – ganz im Sinne des preußischen Personenkultes – „Welchen Eigenschaften und Leistungen verdankt Friedrich II., König von Preußen, den Beinamen des Großen?“
1887 1887 zieht die Schule in ein eigenes Gebäude um; sie führt von daher dann den Namen „Realschule am Fürstenwall“. Viele der Schüler sind Kinder von Handwerkern, Kaufleuten, kleinen Beamten, die in dem neu entstandenen Bezirk zwischen der Friedrichstadt und dem ehemals ackerbautreibenden Bilk und dem Düsseldorfer Süden wohnen. Das Fach Französisch wird in den ersten drei Klassen mit acht Wochenstunden unterrichtet; der Englischunterricht beginnt in der Tertia (8.Klasse).
1899 1899 wird die Schule zur „lateinlosen Oberrealschule“ erweitert; fast 600 Schüler besuchen zu dieser Zeit die Schule. Einer dieser Schüler ist der spätere Schriftsteller Heinrich Spoerl, der in der „Feuerzangenbowle“ die Originalität und Kauzigkeit damaliger Lehrer porträtiert hat. Im Jahre 1900 legen die ersten Schüler am Fürstenwall ihr Abitur ab.
1914 1914 machen 25 Schüler die „Notreifeprüfung“; der Erste Weltkrieg hat begonnen. Ein Erlaß der kaiserlich-preußischen Behörde sagt, daß der Unterricht ordungsgemäß aufrechtzuerhalten sei, „soweit nicht die Schüler zur Bergung der Ernte beurlaubt“. Viele ehemalige Schüler sterben in den Schützengräben.
1921 1921 beschlagnahmen die Besatzungstruppen verschiedene Schulgebäude in Düsseldorf. Die davon betroffenen Schüler des Hohenzollern-Gymnasiums (heute: Görres) finden am Fürstenwall Aufnahme. Räumliche Enge, Hunger und Arbeitslosigkeit prägen das Leben in vielen Familien; deshalb entschließen sich junge Lehrer, mit den Schülern „aufs Land“ zu ziehen. Die ersten Fahrten gehen in den Sommerferien 1921, 1922 an die Nordsee. Man übernachtet in Feldscheunen und hält Unterricht in den Dünen ab.
1924 1924 kauft die Schule ein altes Haus im Allgäu. Daraus entsteht das Schullandheim Hitzenlinde, das bis heute das Schulerleben der Schülerinnen und Schüler prägt. Die Aufenthalte in Hitzenlinde dauerten früher vier, manchmal gar sechs Wochen.
1933 1933 Zur Einweihungsfeier des Schulgebäudes am Fürstenwall hatte einer der Lehrer 1887 gedichtet: „Möcht keine schwarze, unheilschwangre Wolke / jemals Verderben über ihm entladen…“ Dieser Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. Seit 1933 bereitete die deutsche Politik einen neuen Weltkrieg vor. Wenig gilt neben der Zerstörung, die so vielen Ländern zugefügt wurde, daß auch das alte Schulgebäude am Fürstenwall 1942 von Bomben getroffen wird und bis auf die Fassaden ausbrennt.
1945 1945 beginnt der Unterricht an der Ellerstraße zusammen mit dem Lessing-Gymnasium im „Schichtunterricht“.
1946 1946 nennt sich die Schule in „Geschwister-Scholl-Schule“ um: Sophie und Hans Scholl, wegen ihres Widerstandes gegen Krieg und Nazidiktatur mit anderen Freunden aus dem Widerstandskreis der „Weißen Rose“ im Februar 1943 hingerichtet, sollen den Schülern und Lehrern Vorbild für politisches Engagement sein.
ab 1961 1961 bezieht man in direkter Nachbarschaft zum Volksgarten das jetzige Gebäude an der Redinghovenstraße.
Ab Ende der 50er Jahre gibt es neben den bekannten Fremdsprachen bereits Russischunterricht; 1960 wird Russisch als dritte Fremdsprache eingeführt. Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 besuchen auch Mädchen die Schule. Im selben Jahr beginnt ein Versuch eines bilingualen Unterrichts in Deutsch-Englisch. Seit den 60er Jahre kommen erste Gastlehrer ( aus Frankreich ) an die Schule. Studienfahrten ins Ausland haben bereits auch die UdSSR zum Ziel.
ab 1971/72 1971/72 unterrichten an der Schule gleichzeitig drei ausländische Gastlehrer: einer kommt aus Großbritannien, der zweite aus den USA und der dritte aus Woronesch in der Sowjetunion. Das Sprachlabor wird im gleichen Schuljahr eröffnet – ein zukunftweisendes „Geschenk zum 100. Geburtstag“.
Als eine der ersten Düsseldorfer Schulen baut das Geschwister-Scholl-Gymnasium die „neugestaltete differenzierte Oberstufe“ auf, die eine breite Fächerwahl ermöglicht. Mit der damaligen Nachbarschule, dem Helene-Lange-Gymnasium, beginnt eine intensive Kooperation, auch für die „differenzierte Mittelstufe“.
In der Zeit der „Studenten- und Schülerrevolte“ entsteht das Image, „Scholl“ sei liberal; die Lehrerinnen und Lehrer reden bescheidener von einer „stets für alle offenen Tür“. Das Schullandheim im Allgäu bleibt nach wie vor wichtiger Erlebnisort der Schülerinnen und Schüler schon ab Klasse 5; ab der achten Klasse stehen auch Skilehrgänge auf dem Programm. Englische oder kanadische Schülergruppen sind dort mit unseren Schülern zusammengewesen.
Theaterinszenierungen und die großen Musikaufführungen und Konzerte zweimal im Jahr ( bis hin zur „Schuloper“ 1987 ) füllen die Aula. Zu beliebten Aktivitäten außerhalb des Unterrichts gehören die Arbeit im Fotolabor oder das „Literatur-Café“. Die Computer-Arbeit, inzwischen an unserer Schule – mit zwei großen Informatikräumen und Internetadresse – ordentliches Unterrichtsfach „Informatik“, nahm so ihren Anfang über Arbeitsgemeinschaften.
Auf persönliche Initiativen von Lehrern hin entstand in den letzten Jahren eine enge Schulpartnerschaft mit Rußland. Der erste Besuch einer Schülergruppe aus Moskau fand im März 1989 statt. Mit Frankreich gibt es schon lange einen jährlichen Austausch mit Schulen aus der Vendee in der Nähe der Atlatikküste.
Seit dem Schuljahr 1990 fahren Schüler/innen unser Schule zu Studienaufenthalten nach Moskau (besonders gefördert von der Krupp-Stiftung, danach durch das KM); ebenso werden die Schüler unserer Moskauer Partnerschule im Gegenbesuch hier bei uns unterrichtet. Diese Kooperation wurde verstärkt durch den „bilingualen russischsprachigen Zweig“, der im Schuljahr 1990 seine Arbeit aufnahm. Russisch als erste Fremdsprache (7-stündig) schon setzte bereits in Klasse 5 ein. Die letzte dieser bilingualen Schülergruppen hat momentan (2000) die Stufe 12 erreicht; sie lernt weiterhin Russisch (im Leistungskurs) und hat daneben Unterricht im Grundkurs Geschichte in russicher Sprache.
Während seines über 125jährigen Bestehens ist das Geschwister-Scholl-Gymnasium zwar beständig geblieben in seiner Art, sich dem Neuen zu öffnen, das Bewährte zu erhalten und darin Verbindungen zu finden. Aber „Schule“ ist nicht leichter geworden dadurch. In Gesprächskreisen mit den umliegenden Grundschulen will die Schule lernen, wie der Übergang zum Gymnasium weniger problematisch werden könnte. Wie jede heutige Schule sind auch wir gefordert durch „neue“ Kinder, älter werdende Lehrer, knappere“ Mittel. Wir probieren aus. Wollen uns verändern. Freilich auch bleiben, wie wir da sind: das Geschwister-Scholl-Gymnasium.

B. Kersting